Ein Klavier steht im letzten Raum. Um es herum Relikte aus vergangenen Zeiten. Neben alten U-Bahn-Schildern und -Wagen aus der Kaiserzeit reihen sich zahlreiche Trümmerfunde. Doch für all das habe ich keinen Blick. Ich schlage ein paar Töne an. Die Akustik hier unten ist einfach unglaublich!
Wir sind tief unter der Erde, im „Bunker B“ unterhalb der Station Gesundbrunnen. Hier hat der Verein Berliner Unterwelten das Berliner Unterwelten-Museum eingerichtet in dem er in authentischer Umgebung über die Geschichte und Entwicklung Berlins aus der unterirdischen Perspektive informiert. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet der Zivile Luftschutz des Zweiten Weltkriegs mit seinem Bombenkrieg und dessen Auswirkungen sowie die noch heute zu findenden Relikte. Aber auch andere Themen finden Raum, so etwa das unterirdische Kommunikationssystem Berlins, das Rohrpostnetz, zu dem der Verein auch eine separate Führung anbietet. In weiteren Führungen geht es zu Geisterbahnhöfen, stillgelegten Tunneln, zum Führerbunker und zu Mauerfluchttunneln. Hier gibt es eine Übersicht aller Führungen.
Dieselbe Akustik ist es, die mir noch vor wenigen Minuten einen Schauer über den Rücken hat laufen lassen als sie das Grollen der vorbeifahrenden U-Bahnen um ein vielfaches verstärkte. Nie konnte ich besser nachvollziehen wie sich die Menschen gefühlt haben müssen, die sich während eines Fliegeralarms hier versteckten. Der letzte Raum ist auch der, der wieder hinaus ins Tageslicht führt. Ins warme, tröstliche Tageslicht.
Die Klangkraft unterirdischer Orte wird auch beim Internationalen Klangkunstfest vom 14. August bis 12. September aufgegriffen.
Bild: Fabian (SnaPsi Сталкер)
Schlagworte: Bunker, Stadtführungen, Untwelt